Berner Museumsgeschichten

Aus dem bewegten Leben einer Vereinsfahne

Ihren vorläufig letzten grossen Auftritt hatte sie vor zwei Jahren an der Feier zum 125jährigen Bestehen der SP Belp. Nun darf die stolze Flagge des ehemaligen Arbeitervereins Eintracht Belp und Umgebung im Ortsmuseum etwas zur Ruhe kommen. Sie stammt aus einer sozial und politisch turbulenten Zeit, als sich die im Zuge der Industrialisierung entstandene Arbeiterschaft für ihre Interessen und Rechte zu organisieren begann. Flatternd im Wind begleitete sie manch eine «Agitation», nahm wohl bereits im sie zierenden Gründungsjahr 1896 teil an Märschen und Umzügen. Wie alte Fotografien, wie hier vom 1. Mai 1922, bezeugen, blieb man ihr auch nach der Namensänderung treu. Bereits 1918 wurde aus dem Arbeiterverein die Sozialdemokratische Partei Belp.

An wehenden Kolleginnen mangelte es der Fahne des Arbeitervereins in Belp nicht. Wo bestehende Ortsvereine den «Fabriggelern» die kalte Schulter zeigten, entstanden kurzerhand eigene, darunter 1911 die Arbeitermusikgesellschaft Freiheit, 1917 der Arbeiter-Radfahrerverein oder 1922 der Arbeiter-Turnverein Satus. In Sachen aufwändige Machart steht der Arbeitervereinsfahne jene der Musikgesellschaft Freiheit in nichts nach und beide durften sich auch schon über sorgfältige Restaurierungen freuen, denn so ein Fahnenleben zehrt. Insbesondere dann, wenn ausgerechnet in einer Ruhephase etwas Schreckliches passiert.

1965 in einer Sommernacht steckte ein nachweislich Liebestrunkener das Belper Wirtshaus Schützen in Brand. Anders als zum Glück die Wirtsfamilie, gab es für die Fahne, eingeschlossen im Fahnenschrank der Gaststube, kein Entrinnen. Wie Fotografien des gut dokumentierten Brands zeigen, überlebte sie jedoch wie durch ein Wunder nur leicht lädiert.

Quellen und zum Weiterlesen:


Ortsmuseum Belp im Schloss und im Chefiturm